Männerkreis Berlin Kreuzberg

Ein Mann kommt selten allein in einen Raum. Er bringt mit, was er trägt: die Erwartungen, mit denen er groß geworden ist, die Erschöpfung eines Alltags, der ständig Funktionieren verlangt, Fragen, die er sonst nirgendwo stellt. Der Männerkreis in Kreuzberg ist ein Ort, an dem all das ankommen darf.

Was hier geschieht, braucht keinen Namen, den man vorher lernen müsste. Männer setzen sich in einen Kreis und begegnen sich, ohne Rolle, ohne Programm, ohne dass einer dem anderen etwas beweisen muss. Was gerade wirklich da ist, wird gehört, nicht bewertet. Manchmal ist das ein Gespräch, das schon lange fällig war. Manchmal Stille, die trägt. Manchmal Trauer, die endlich Platz findet, weil sie zum ersten Mal von anderen Männern mitgehalten wird, statt allein verwaltet werden zu müssen.

Wir gehen davon aus, dass ein Mann von Anfang an eingewoben ist, in Familie, Sprache, Körper, Geschichte. Was ein Mann werden kann, zeigt sich in echter Begegnung, in dem, womit er in Kontakt kommt, in den Vätern, die da waren, und in denen, die fehlten. Der Kreis ist ein Ort, an dem sich zeigen darf, was tatsächlich da ist, jenseits jedes vorgefertigten Bilds.

Der Kreis ist ein Ort, an dem sich zeigen darf, was tatsächlich da ist, jenseits jedes vorgefertigten Bilds.

Männlichkeit ist für uns ein lebendiges Spektrum, gewachsen aus Stärke und Zartheit, aus Ausdauer und Verletzlichkeit, aus Führung und Hingabe. Zehn Männer im Kreis geben zehn verschiedene Antworten auf die Frage, was es bedeutet, ein Mann zu sein, und alle zehn haben recht. Viele von uns haben früh gelernt, nicht zu viel zu fühlen, nicht zu viel zu fragen, nicht zu viel zu brauchen. Das trägt lange. Bis es irgendwann nicht mehr trägt. Erschöpfung, Einsamkeit, Taubheit sind für uns kein Versagen, sondern der Punkt, an dem etwas anderes beginnen kann.

Erschöpfung, Einsamkeit, Taubheit sind kein Versagen. Sie sind der Punkt, an dem etwas anderes beginnen kann.

Dieser Anfang hat einen Namen, den wir ernst nehmen: Schwelle. Der Unterschied zwischen einem Mann, der sich ständig beweisen muss, und einem Mann, der trägt, entsteht durch Verlust, durch das Begegnen des eigenen Schattens, durch Trauer, die endlich gemeinsam getragen werden darf. Er entsteht auch durch das Erwachsenwerden selbst, durch das Herauswachsen aus einer Psychologie, die noch im Jungen steckt und die Welt in Angriff und Verteidigung übersetzt. Ein erwachsener Mann kennt den Unterschied zwischen einer Reaktion und einer Antwort, und er weiß, dass Grenzen tragen, nicht trennen.

loving presence, strong boundaries
strong presence, loving boundaries

Er hat gelernt, sich selbst zu regulieren, bewusst zu handeln statt reflexhaft zu reagieren, und genau daraus wächst die Sicherheit, die er weitergeben kann. Ein Nervensystem, das in Sicherheit ist, gibt diese Sicherheit weiter, an Kinder, an Partnerinnen, an andere Männer, durch Atemrhythmus, Blickkontakt, Stimme, durch die bloße Qualität der Anwesenheit. Das lässt sich entwickeln, in Beziehung, mit der Zeit, im Kreis.

Wir sprechen dabei aus unserer eigenen Erfahrung. Was wir anbieten, ist eine Richtung, in der wir selbst unterwegs sind, und wir fragen uns regelmäßig, was wir aus diesem Raum zurückgeben, an die Männer, die kommen, und an das, was nach uns weiterträgt.

Beda und Stefan halten diesen Raum aus Jahren mythopoetischer Männerarbeit, Ritualpraxis und Facilitation, aber der Kreis lebt nicht von Methode. Er lebt von Präsenz, von zwei Männern, die halten, was entsteht, und von den Männern, die kommen und sich wirklich zeigen.

Was daraus wächst, ist nicht planbar. Vertrauen zwischen Männern, die sich am Vortag noch fremd waren. Klarheit über etwas, das lange nur als Unruhe spürbar war. Ein Raum, in dem Mannsein wieder weit werden darf.

Unfertig. In Bewegung. Die Einladung gilt.

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